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Heute war es mal wieder soweit. Ein ganz normales Wochenende einer Tierarztpraxis. Eben der ganz normale Wahnsinn. Eigentlich wollte ich ein gemütliches Wochenende verbringen. Etwas lesen und ein wenig Fernsehen. Aber dazu kam es nicht. Ein Notfall jagte den anderen. Was zur Folge hatte, dass ich so gegen 02:30 ins Bett konnte bis dann um 04:00 Uhr erneut das Telefon klingelte.

Das Beste war ein Notfall mit Würmern. Da rief mich doch tatsächlich jemand an und sagte mir, dass sein Hund schon drei Tage Würmer habe und er nun dringend um 22:00 Uhr eine Wurmkur brauchte. Da stelle ich mir natürlich die Frage, kann das nicht auch schon drei Tage früher passieren. Muss das erst am Wochenende um 22:00 demjenigen einfallen eine Wurmkur zu kaufen. Nun kann man natürlich sagen: Der Tierarzt hat Bereitschaft und Würmer sind ein Notfall. Sicher – aber wenn der Hund schon drei Tage lang Würmer hat, dann ist es für mich kein Notfall mehr, sondern vom Besitzer Gedankenlosigkeit. Das wollte ich mir nur kurz von der Seele reden, so müde wie ich heute bin.

Die anderen Fälle waren aber auch richtige Notfälle. Der schlimmste war gestern ein Hund, der eine hochgradige Leberzirrhose hatte. Der in der Nacht vor meiner Praxis stand und nur noch schrie vor Schmerzen. Der Hund tat mir richtig leid. Ich musste ihn leider einschläfern. Natürlich hatte er sein Alter, aber wenn man einen Hund in der Tierarztpraxis hat der nur noch schreit, dann ist das kein schöner Anblick. Es geht einem durch Mark und Bein. Erst Recht, und das ist gut so, wenn die Besitzer mitleiden. Es war für mich sicherlich einfacher, als für die Tierbesitzer.

Bei mir steht in nächster Zukunft auch so etwas an. Meine alte ca. 20 jährige Katze ist auch schon soweit, dass es eine Gratwanderung wird zwischen der Entscheidung sie einzuschläfern und leben zu lassen. Ich stelle mir jedes Mal die Frage: Macht es Sinn, oder nicht. Bei jeder Entscheidung macht man es sich nicht einfach.

Ich will nicht jammern, denn der Beruf  Tierarzt macht mir sehr viel Spaß, aber er ist manchmal doch ein wenig belastend.

So habe ich heute von einer guten Freundin gehört, dass bei uns auf der Südbrücke in Düsseldorf ein Hund überfahren wurde und derjenige einfach weiter gefahren ist. Der Hund hatte eine Größe eines Beagles. Das muss man doch merken. Da sollte man doch auch mal anhalten und schauen, ob der Hund noch lebt. Das hat der Fahrer leider nicht getan. Aber meine gute Freundin hat angehalten und ist über die stark befahrene Straße gegangen und nachgeschaut ob der Hund noch lebt. Hat also ihr eigenes Leben aufs Spiel gesetzt. Hut ab. Leider war der Hund schon verstorben. Aber dadurch konnte Sie vom Halsband eine Handynummer ablesen und den Besitzer benachrichtigen. Der zwar sehr traurig und am Boden zerstört war, aber nun wusste, was mit seinem Hund passiert ist. Hört sich komisch an, aber für jeden Besitzer ist jede noch so traurige Gewissheit, was mit seinem Hund oder Katze passiert ist, besser, als keine Gewissheit.

Nun wünsche ich Euch noch ein schönes Rest-Wochenende.

In diesem Sinne

Euer Dirk Nösler

2 Kommentare auf “Der normale Wahnsinn an einem Wochenende mit Notdienst”

  1. Sabine sagt:

    Hallo Dirk,

    ein Tierarzt der bloggt, das ist ja mal eine feine Idee und sehr interessant!
    Ich fand Deine Seite über Sylvia und bin froh darüber.

    Danke für diesen Einblick in den normalen Wahsinn eines Notdienstes!
    Wirklich schlimm und für alle Beteiligten grauenvoller als jeder Albtraum, wenn ein Tier vor Schmerzen schreit und nur noch (möglichst schnell) erlöst werden kann. Aber es tut Tierhaltern auf jeden Fall gut, wenn der jeweilige Arzt Mitgefühl zeigt und nicht handelt, als wenn es ihm völlig gleichgültig wäre.

    Der Hundebesitzer und seine Würmer… ich denke das ist ein Typ Mensch, der auch mit Absicht eine Minute vor Ladenschluss ein Geschäft betritt, und die Verkäufer oder Kassiererinnen vom verdienten Feierabend abhält.

    Was die Südbrücke anbelangt, so fahre ich täglich drüber. Einfach nur schrecklich, was Deiner Freundin, bzw. dem Hund passiert ist. Danke an Sie, für ihren Einsatz, obwohl es ein sehr trauriger war!
    Ich weiß auch nicht, warum kaum jemand den Mumm hat um zu solch einem Delikt zu stehen. Hätte der Fahrer oder die Fahrerin einen Roller Fahrer getötet, so wäre es Fahrerflucht gewesen und wäre verfolgt worden. Aber leider werden Tiere immer noch als Sache bewertet. Ich verzweifle bald an dieser Einstellung!

    Deiner Katze drücke ich feste die Daumen! Irgendwann fühlt man, wenn es soweit ist – aber das weißt Du selbst.

    Viele Grüße und eine gute Woche
    Sabine

  2. Sylvia sagt:

    Super geschrieben lieber Dirk!

    Diese Notdienstgschichten kenne ich auch. Ich habe vor ca. 13 Jahren freiwillig neben meinem eigentlichen Job ein Jahr lang ein Praktikum bei einer Tierärztin gemacht (Mo.-Fr. die Abendsprechstunde, Sa. die Vormittagssprechstunde und alle Wochenendnotdienste). Was man da erlebt lässt einem manchmal echt die Haare zu Berge stehen. Wir konnten zum Beispiel auch immer beobachten, das die Tiere ihre Probleme immer erst nach dem Samstagabend-Blockbuster hatten, quasi gaaaanz plötzlich 😕 Auch Sonntag vor 11.00 Uhr war es meistens ruhig, denn Mensch muss sich ja schließlich ausschlafen!

    Erfahrungen, wie du mit dem vor Schmerzen schreienden Hund mit der Leberzirrhose, habe ich in dieser Zeit auch gemacht und ich gebe zu, ich habe geweint. Mir tat das Tier und natürlich auch die Besitzer leid. Die Tierärztin meinte damals, das müsse ich mir abgewöhnen und ich habe geantwortet das ich das nicht möchte. Ich will nicht abstumpfen!

    Was deine Katze betrifft so wünsche ich die viel Kraft und bin mir sicher, du wirst die – für die Katze – richtige Entscheidung treffen! So schwer es auch ist, das weiss ich aus eigener Erfahrung leider zur Genüge 😥 Kleiner Trost: 20 Jahre sind ein schönes Alter!

    Der überfahrene Hund … ja, so sind (die meisten) Menschen. Mein Weg zur Arbeit führt über eine Art Landstrasse, auf der man aber nur 50 fahren darf. Die meisten anderen fahren gefühlte 100! Und so oft habe ich morgens schon Tiere, die überfahren und leider schon tot waren von der Fahrbahn geräumt. Meistens sind sie noch warm. Lebt ein Tier noch drehe ich rum und fahre in die Tierklinik. Und es stimmt mich immer wieder so traurig und ich werde mich nie daran gewöhnen!

    Ich habe deinen Artikel auch absolut nicht als „jammern“ aufgefasst, ich finde, wenn ein Tierarzt seinen Beruf nicht mehr als belastend empfindet sollte er den Beruf an den Nagel hängen 😉 Genau diese Gefühlsregungen schätze ich auch an meiner Tierärztin so! Ich habe einmal mit meinem (mittlerweile verstorbenen) Kater Boomer im Röntgenraum gesessen weil er am Tropf hing. Da kam ein Notfall in die Praxis. Eine noch junge schwarze Katze, die vergiftet wurde. Da die Behandlungszimmer besetzt waren, kam die Tierärztin mit dem Kätzchen in den Röntgenraum und versuchte sie zu retten, verzweifelt … und ohne Erfolg! Sie starb ihr unter den Händen weg und meiner Tierärztin liefen die Tränen über die Wangen … und mir auch! Genau das ist Tierliebe!

    Ganz liebe Grüße von
    Sylvia und der Rasselbande

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